Sven´s Eindrücke

Die Reihenfolge meiner Einträge ist irritierenderweise von unten nach oben...

Also findet man hier drunter immer das aktuellste.


Ich freue mich sehr über Kommentare, Anregungen und Fragen ...

Viel Spaß beim lesen und miterleben !



Familie und Moto

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Erkenntnisse

Mir ist es ein Anliegen von meinen Erlebnissen mit den Muchachos in den letzten Wochen zu berichten… Denn was mir immer wieder und nur zu stark bewusst wurde, ist, dass der größte Fehler, den man bei dieser Arbeit machen kann ist, die Muchachos zu unterschätzen. Manchmal muss man einfach auf sie vertrauen, sie alleine lassen und ihnen Aufgaben geben. Das Interessante daran ist, dass es erst genau dann wirklich funktioniert, wenn man sich traut, sie sich selbst zu überlassen. Denn mir ging es oft so, dass wenn ich versucht habe, Tätigkeiten zu kontrollieren und immer dabei zu sein, ging es von vornherein schief. Ein Beispiel ist der Luis aus meinem Salon (der Werkstatt). Seine Aufgabe war es, ein kleines Band zu weben. Dabei musste man kleine Scheiben immer abwechselnd viermal in die eine Richtung und dann in die andere drehen. Ich dachte, dass ich mir das zuerst anschauen muss, ob Luis dies alleine hinbekommt und stand deswegen daneben. Natürlich hat es nicht funktioniert und seitdem habe ich ihm immer geholfen und die Reihenfolge überwacht. Bis am nächsten Tag der Professor in unserem Salon meinte ich soll ihn einfach mal alleine arbeiten lassen und prompt hat es funktioniert. Es war nach einer Stunde alles richtig und ich glaubte meinen Augen nicht. Seitdem arbeitet er nur noch alleine an seinem Band und macht es (fast immer) perfekt. Aus dieser Situation habe ich sehr viel gelernt, was den Umgang mit meinen Muchachos angeht.

Gleiches ist mir schon beim Mittagessen wiederfahren. Denn einigen Betreuten hilft man beim Essen und ich habe immer stets versucht, dass möglichst wenig Essen herunterfällt und somit oft meine Hand mit an der Gabel gehabt. Doch auch hier ist mir aufgefallen, dass  es besser ist manchen einfach das Essen selber zu überlassen. Selbstverständlich geht dann schon das ein oder andere daneben, jedoch klappt es im Endeffekt doch besser…

Es erstaunt mich auch immer wieder aufs Neue, wie fit und aufmerksam auch diejenigen sind, die z.B. überhaupt nicht sprechen oder oft keine Anstalten machen in Aktion zu treten. Doch oft sind ihre Reaktionen so klar oder zum Teil sogar ironisch, dass es mich wirklich vom Hocker haut!

Ich denke in diesem Jahr werde ich noch eine ganze Menge lernen…

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Medellin

Hier ein paar Impressionen von unserem Ausflug am Samstag in einige Randgebiete der Stadt... Mit der Metro-Cabel hat man einen wunderbaren Blick auf diese Viertel aus der Vogelperspektive.

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Ich möchte mich entschuldigen, denn es fällt mir ausgesprochen schwer meine Empfindungen auszudrücken, da ich das ganze noch nicht ganz fassen kann und sich die Zeit bisher noch eher wie eine riesige Klassenfahrt anfühlt. Ich könnte auch schwören, dass ich erst seit höchstens gefühlten drei Wochen hier bin.

Ich bin einfach zu tiefst beeindruckt von der Kultur und dem Treiben hier in Medellin…  An dieser Stelle möchte ich auf den Blog von Erik verweisen, wo eine schöne Beschreibung Medellins zu finden ist.

In den letzten Wochen habe ich so viel unternommen, dass ich noch nie wirklich Zeit für mich gefunden habe. Zeit in der ich mal wirklich alleine sein konnte und mich ausschließlich mit meinem Innenleben befassen konnte. Ich denke, dass ich dies unbedingt ändern muss, auch wenn ich noch lange nicht müde am Schauen und Erleben der Stadt und der Umgebung bin… Ich glaube auch, dass dies zum Teil dadurch kommt, dass man hier in unserer WG keine wirkliche Privatsphäre besitzt und immer irgendwer mit dir redet und immer irgendwas los ist… Doch in den letzten Tagen habe ich mir überlegt, dass ich gerne in einer Gastfamilie leben würde für eine gewisse Zeit von ungefähr vier Monaten. Dabei war mein  Wunsch nach Ruhe und Einsamkeit nicht ausschlaggebend, sondern viel mehr das Bedürfnis tiefer in die Kultur Kolumbiens einzudringen und auch die anderen Seiten  kennenzulernen, außerhalb unseres gut gepflegten Viertels. Und natürlich der Aspekt, dass man in einer WG mit ausschließlich Deutschen nicht besonders gut Spanisch lernt… Da ich meine Mitfreiwilligen jedoch sehr schätze und wir so unglaublich viel Spaß hatten in den letzten Wochen, möchte ich in ein paar Monaten zurückkehren und wieder hier in der Fundación wohnen.

Was die Arbeit betrifft, so sind eigentlich die Würfel gefallen und ich werde bis Weihnachten in der Werkstatt und danach mit den Jugendlichen arbeiten. Allerdings gibt es einige Lehrer die gegen einen Wechsel im halben Jahr sind und vielleicht wird das bedeuten, dass ich das ganze Jahr in der Werkstatt helfen werde… Seit zwei Wochen arbeite ich jetzt schon in der Werkstatt und muss sagen, dass ich meine anfängliche Abneigung gegen diesen Salon, jetzt nichtmehr teilen kann. Die Betreuten sind sehr witzig und überraschen mich immer wieder. Täglich muss ich mehrmals lachen über die oft stichigen Kommentare und aber auch nachdenken über die tiefe Offenheit der Muchachos. Sie sind oft so unglaublich direkt was ihre Gedanken und Gefühle angeht, dass ich denke, da kann man sich auf jeden Fall was abschauen, da ich damit früher, oder jetzt immer noch, Probleme hatte und mich oft nicht getraut habe zu meiner Meinung und meinen Gefühlen zu stehen… Ich könnte mir also durchaus vorstellen für längere Zeit dort zu arbeiten. Allerdings entspricht die oft nur motorische Arbeit nicht meiner Lieblingsbeschäftigung. Ich würde mir schon wünschen auch mal in einer der Klassen zu arbeiten. Einfach um für mich herauszufinden, ob ich den Umgang mit Jugendlichen und Kindern auch auf Dauer mag. Aber natürlich werde ich die Entscheidung der Lehrer akzeptieren und verstehe auch, dass es für die Betreuten besser wäre, wenn sie sich nicht erneut auf einen neuen Freiwilligen einstellen müssen.

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Der Anfang

Vor vier Wochen bin ich in Kolumbien angekommen. Diese erste Zeit war wirklich ereignisreich...

Mein Hinflug war etwas umständlich, da ich einer der Spätbucher war und die günstigste Verbindung von Frankfurt, über Amsterdam und Panama nach Medellin ging. So habe ich mich am 15. August von meiner Familie und Freundin in am Frankfurt-Flughafen verabschiedet und habe meine Reise um 10:15 Uhr begonnen. Ca. 18 Stunden Später bin ich in Medellin angekommen und wurde herzlich empfangen von Sandra, Juan (die Leiter von Arca Mundial) und Robin (einem Freiwilligen aus dem vergangenen Jahr).

Meine Mitfreiwilligen (Anna, Erik, Andreas, Hanna, Anne und Lydia) waren bereits einige Tage vorher geflogen und konnten schon in den Arbeitsalltag hineinschnuppern.

Unser erstes Wochenende war davon gekennzeichnet, dass wir das Bar-Viertel Medellins (El Poblado) erkundeten und schon ein erstes Mal unsere Amateur-Künste in Salsa-Tanzen zum Besten geben konnten...

Meine erste Arbeitswoche arbeitete ich jeden Tag in einem anderen Salon, also mit einem anderen Lehrer und anderen Betreuten (hier: Muchachos). So habe ich alle Arbeitsbereiche kennen lernen können. Daraufhin hatten wir eine Besprechung, wer nun in welchem Salon arbeiten möchte. Das Ergebnis war, dass viele in den gleichen Salon (den der Jugendlichen) wollten, wodurch nun eine zweite Auswahlphase eingeleitet wurde: die vier Leute die sich nicht einig wurden (ich war dabei), rotieren nun so weiter, dass jeder eine ganze Woche lang in einem der übrigen Salons arbeitete um sich ein besseres Bild machen zu können...

Die erste Woche verbrachte ich dadurch in der Gruppe der ca. 20-jährigen. Eine recht kleine Gruppe von 6 Muchachos. Dort wird Vormittags immer Webarbeit und teilweise Eurythmie gemacht. Der Nachmittag wird dagegen mit Unterricht oder Backen und Sport gestaltet. Dort habe ich viel beim Weben geholfen und Einzelarbeiten mit 1-3 Muchachos gemacht und mich auch oft mit einem Mädchen beschäftigt, die sehr viel an ihren Fingern knibbelt.

Danach half ich in der Werkstadt, wo die Erwachsenen betreut werden bei verschiedenen Holz- und Schreinerarbeiten. Auch hier gibt es nach dem Mittagessen ein anderes Programm, wie z.B. Zeichnen, Malen, Buchbinden, Papierarbeiten und Sport.

Die vergangene Woche habe ich in der Kinder-Gruppe oder Schulklasse gearbeitet. Dort gibt es viel Unterricht und Lernspiele , was oft nicht einfach ist, da jedes der Kinder zu mehr oder weniger fähig ist, weshalb die Klasse oft aufgeteilt wird. Hier werden die Freiwilligen besonders benötigt, da dies die größte Gruppe von ca. 13 Kindern darstellt und nur von einer festen Lehrern geleitet wird... Die kommende Woche werde ich mit den Jugendlichen verbringen, ich bin gespannt.

In jeder der Gruppen besteht die Arbeit von uns Freiwilligen hauptsächlich darin den Muchachos zur Seite zu stehen und überall dort zu helfen oder aufzupassen und anzuleiten wo es nötig ist. Beim Lernen, Arbeiten oder Toilettengang. Auch beim Mittagessen helfen wir viel. Natürlich vor allem denjenigen, welche motorische Schwierigkeiten haben mit dem Essen.

Bisher hatte ich noch viele sprachliche Probleme, da ich noch nie zuvor Kontakt mit Spanisch hatte. Doch mittlerweile verstehe ich immer mehr und hoffe, dass ich bald in der Lage sein werde mich vernünftig auszudrücken... Doch das wird wohl noch ein langer weg. Obwohl wir Freiwilligen jeden Freitag Spanischunterricht von einem sehr netten Englischlehrer, hier aus Medellin, bekommen.

Das letzte Wochenende verbrachte ich mit ein paar anderen von uns und einem Kolumbianer (Julian) wandernd in den Bergen, im Umland von Medellin in der Nähe des Dorfes Barbosa. Julian studiert Englisch auf Lehramt und spricht auch ziemlich gut Deutsch, da er schon mit einigen vorherigen Freiwilligen Kontakt hatte und selbstständig deutsch gelernt hat. Er ist ein sehr netter Mensch und wir werden uns bald nochmal mit ihm treffen...

Nachdem wir uns hier ein bisschen eingelebt hatten, wollten wir unbedingt besser Salsa tanzen können und daraufhin meldeten wir uns zu viert (Hanna, Anna, Erik und ich) an einer Tanzschule hier in der Nähe an. Jetzt gehen wir jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag für eine Stunde Salsa tanzen, bzw. lernen.

Generell sieht unser Alltag so aus, dass wir um Acht unseren Dienst beginnen, da dann die Muchachos mit Bussen, Taxen oder privaten Autos ankommen. Um 10 Uhr gibt es dann eine Frühstückspause, wo alle zusammen selbstgebackene Brötchen oder anderes Gebäck mit frisch gepresstem Saft frühstücken. An diesen Säften wurde mir am schnellsten bewusst, dass ich in Äquatornähe bin, denn zuerst kannte ich einige dieser Früchte nicht. Und musste erstmal erklären, warum ich so erstaunt über diese, mir unbekannten, Geschmäcker war.

 In dieser Woche ist auch mein Geburtstag und ich werde meinen ersten Besuch hier empfangen... Ich freue mich sehr und hoffe, alle werden einen einigermaßen bequemen Schlafplatz finden hier bei uns ...

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